Sonntag, 2. November 2014

Kopfschmerzen

"Es gibt 37 Arten von Kopfschmerzen" - so der Werbeslogan.

Seit der Geburt meiner Tochter gehöre ich zu den Kopfschmerzgeplagten, wenngleich auch nicht - und glücklicherweise - in Form von Migräne. Trotzdem sind sie belastend. Ich als Panikproduzentin kann mich da bestens hineinsteigern. Das ist einer der Gründe, weshalb ich immer eine Packung Schmerzmittel bei mir führe. Und leider greife ich auch viel zu häufig nach dem Medikament, dass erstmal eine angenehme Linderung mit sich bringt. Dabei bin ich eigentlich kein Freund der Chemie-Keule. Nur wann kommt der Kopfschmerz schon mal Zuhause, sodass man sich hinlegen kann? Eher selten. Mich ereilt es gern unterwegs, an Tagen mit einigen to-do's auf der Liste oder aber abends, wenn mein Programm für die Vor-/Nachbereitung des Studiums eigentlich laufen müsste. Dass solch Schmerzpräparate auch Nebenwirkungen haben, dürfte bekannt sein. Hier ist insbesondere P*racetamol in Verruf geraten. Daher nehme ich auch ausschließlich Ib*profen, obwohl auch dessen Nebenwirkungen nicht unschädlich sind. Vor allem sei hier angeführt, dass durch Kopfschmerz-Mittel Kopfschmerzen entstehen können - ein wahrer Teufelskreis.

Gerade gestern, auf meinem Weg in die Heimat, bemerkte ich, dass meine Tablettenpackung im Portemonnaie leer war. Das ungute Gefühl lotste mich zur nächsten Apotheke. Die gute Frau Apothekerin führte eine halbe Anamnese mit mir durch und wies darauf hin, nicht öfter als alle zwei Wochen zu den Tabletten zu greifen. Ups! Ich führe zwar kein Tagebuch, allerdings bin ich mehr als sicher, mind. zweimal wöchentlich zu diesen bösen Pillen zu greifen. Ist ja auch einfach - einmal Schlucken und der Schmerz ist weg. Stattdessen sollte man sich lieber mit sich selbst befassen und die Gründe sowie alternative Methoden durchdenken - mein Anreiz für diesen Beitrag:

Warum ich Kopfschmerzen bekomme:

  • Schlafmangel. Bei wenig Schlaf klopft der Kopf sofort. Aber auch in den Phasen am Tag, wenn ich einem überirdischen Müdigkeitstief erliege, obwohl ich ausreichend geschlafen habe.
  • Wassermangel. Das ist sicherlich selbstredend, da der Kopfschmerz ein typisches Symptom von zu wenig Trinken ist.
  • Hunger. Wenn ich nicht ordentlich esse bzw. Hunger habe, bekomme ich ganz schnell Kopfweh.
  • Gedankliches. Hier kann ich guten Gewissens auf die Phrase des "Kopf zerbrechens" zurückgreifen. Natürlich: gedankliches Aufräumen, Sortieren und Ausmisten im Kopf macht sich auch als Schmerz bemerkbar. Ebenso wie das Stressempfinden allgemein.
  • Schulter-Nacken-Verspannung. DER Hauptgrund meiner Kopfschmerzen. Woher die Verspannungen immer kommen, weiß ich nicht. Aber diese Art von Kopfschmerz ist ein anderer, als der von eben genannten Gründen. 
  • Angestrengte Augen. So ergeht es mir oft, wenn ich aus doofer Eitelkeit die Brille nicht aufsetzen mag. 
  • Kälte, Hitze oder sauerstoffarme Luft. Diese Fälle sind m. E. eher selten, aber durchaus natürlich.
  • Zwei Sekt am Vorabend. Oder mehr. Da ist der Kater bei mir bereits vorprogrammiert. Ein Grund, weshalb ich nicht so gern trinke. 




Statt Schmerztablette könnte helfen (ohne Dr. Google zu befragen):
  • Wasser trinken. Egal, warum der Schmerz auftritt: erstmal eine ordentliche Portion Wasser für den körpereigenen Haushalt. (Ich glaube, weil sich dann die Gefäße weiten - oder so?)
  • Ruhe. Wenn es denn die Möglichkeit gibt: hinlegen, ggf. schlafen. 
  • Spazieren gehen. Das sagt mein Arzt immer. Es sei die wirksamste Linderung des Kopfschmerzes - am besten zwei Stunden durch den Wald spazieren. Das hat bei mir genau einmal funktioniert. Denn wenn ich Kopfweh habe, mag ich keinen Marsch machen.
  • Kaffee mit Zitrone. Höre ich immer wieder, habe es aber noch nie ausprobiert - aus Mangel an Möglichkeiten und der fehlenden Überwindung. Habt ihr Erfahrungen?
  • Pfefferminzöl. Das soll ja helfen, wenn es im Bereich der Schläfen einmassiert. Habe ich auch noch nie probiert.
  • Regelmäßige Bewegung. Das ist keine Akuthilfe, dafür eine dauerhafte Variante. Kann ich kopfnickend bestätigen. Wenn ich meinem Laufprogramm konsequent folge, habe ich kaum Kopfschmerzen. Ich habe auch mal irgendwo gelesen, dass mangelnde körperliche Betätigung zu Kopfschmerzen führt. Die beste Art der Bewegung ist Nordic Walking oder gemäßigtes Joggen. 
  • Entspannungsmethoden. Hilft gegen die Überanstrengung des Kopfes bei wirren Gedanken und auch dem Schulter-Nacken-Bereich.
  • Yoga, Tei Chi oder Pilates. Es gibt Akut-Übungen gegen Kopfschmerz, aber auch wunderbare Übungen gegen diese blöden Verspannungen. Mein Favorit ist dieses Video.
  • Stärkung der Muskaltur. Insbesondere der Nacken-/Schultermuskulatur. Das soll neben gewöhnlichen Übungen am besten mit dem Wackelstab (alias Flexibar) gehen. Z. B. wie hier zu sehen.
  • Wärme. Hilft, wenn der Kopfschmerz von den Verspannungen kommt. Ich lege mir dann - wenn ich kann - eine Wärmflasche oder ein Kirschkernsäckchen in den Nacken. Für unterwegs gibt es auch wärmende Salben (unausprobiert).
  • Gesunde Lebensführung. Das ist ja schön leicht gesagt: gesunde, abwechslungsreiche Ernährung, Versorgung mit nötigen Mineralien, Sport, Entspannung, Schlaf, kein Nikotin, kein Alkohol etc. Teils schwierig in der Umsetzung, aber ja, ich glaube, das hilft wirklich.


Wenn man das hier nun vor Augen hat, gibt es doch tatsächlich viele Gründe, ohne Tablette etwas gegen das Kopfweh zu tun?! Wie ist es bei euch - habt ihr oft Kopfschmerzen? Wisst ihr warum? Und was tut ihr, um die Schmerzen zu lindern?



Freitag, 24. Oktober 2014

Studieren mit Kind?

Ein Kind im Studium bekommen. Perfekt - meinen die einen.
Ein Studium mit Kind abschließen. Schwierig - meinen die anderen.

Meine Tochter war zehn Monate alt, als ich mit dem Studium angefangen habe. Nun war ich nie sonderlich heiß darauf, unbedingt Studium UND Kind zu wuppen. Aber ich wollte sowohl das eine als auch das andere. Nach nun mehr als vier Jahren wage ich eine Bilanz und eine abschließende Meinung:

Selbst in meinem Jahrgang gab es noch Profs, die einem das Kinderkriegen ans Herz legten. "So viel Zeit hat man nie wieder." Der Satz ist mir noch immer in den Ohren. Ist das so? Meine Vorlesungszeiten sind regulär natürlich nicht so lang, wie ein Arbeitstag - richtig. Durchschnittlich bin ich jedoch sieben Stunden unterwegs. Hinzu kommen Vor- und Nachbereitungszeiten, die ich eigentlich (!) aufwenden müsste. Andersherum gibt es auch Tage, an denen ich frei habe - oder mir frei nehme. Aber es gibt auch Samstage, an denen Vorlesungen stattfinden. Oder Horrorvorlesungen, die erst nach 19 Uhr enden. Der große Zeitvorteil ist aber natürlich in den Ferien zu sehen: Rund acht Wochen im Sommer und zwei Wochen im Winter gehören zu den Zeiten, die ich mal arg vermissen werde. Meine Bilanz: Ich habe nie wieder so viel Zeit, wie als Studentin in den Ferien. Ansonsten bevorzuge ich, schätzungsweise, einen geregelten Tagesablauf mit Feierabend, sobald ich Zuhause bin.

Unis werden doch immer familienfreundlicher!
Ach ja? Weil sie einen Wickeltisch hinstellen?! Dahingehend kann ich keine positiven Erfahrungen feststellen. Vorlesungen werden bei uns nur einmalig angeboten, d. h., ich kann mir meinen Stundenplan nicht so legen, dass es mir in meinen Familienalltag (so z. B. in die Kita-Öffnungszeiten) passt. Und wie möchte eine Uni Mütter oder Väter sonst behandeln? Bevorzugen is' nicht - fände ich auch unfair. Die einzige Möglichkeit besteht darin, sich im ganz individuellen Fall vertrauensvoll an den jeweiligen Prof zu wenden. Meine Bilanz: Familienfreundliche Hochschulen klingen vielversprechender als sie sind.

Studium und Kind sind eine Doppelbelastung, oder?
Ich sage vorweg: Ja. Aber ich kenne es auch nicht anders und kann mich nur mit anderen vergleichen. Meine kinderlosen Kommilitonen können sich ihrem Lern- und dem vorgegebenen Vorlesungsrhythmus anpassen. Mittags Schluss? - Erstmal eine Runde auf die Couch, dann ein bisschen Nachbearbeitung und später noch auf 'n Bierchen mit den anderen daten (oder lernen). Vorlesungsbeginn erst mittags? - Sauber! Die Nacht lang werden lassen und schön bis 10 Uhr ausschlafen. Und bei mir so?! Da ist eins wie das andere: Je nach Arbeitsanfall habe ich Glück oder Pech, ob ich ausgeschlafen bin - mein Wecker klingelt jeden Tag zur gleichen Zeit. Mit oder ohne Augenringe muss das Kind in die Kita. Dabei bin ich eher Typ Nachteule: Tagsüber ein kleines Schläfchen und abends/nachts gern produktiv. Auch gern in Bezug auf Bierchen mit Kommilitonen. Aber auch abends erfordert es zumeist meine Person, die das Kind ins Bett verfrachtet und anschließend aufpasst, dass es aus selbigem nicht herausfällt. Und - auch ganz wichtig - die Lernerei geht zusammen mit einem Kleinkind gern mal an die Nerven. Allein schon deshalb, dass man nie wirklich Feierabend hat und Unmengen an Daten im Kopf umherschwirren, die sich unglücklicherweise mit der wohl gerade aktuellen Schuhgröße des Kindes und den wichtigen Freizeitterminen des Kindes vermischen. Von den heißen Prüfungsphasen mal ganz zu schweigen - da bin ich eher Mutter in Funktion als Mutter mit Herz. Es fällt mir oftmals schwer, abzuwägen, ob ich jetzt was für's Studium tue, für mich, ob ich die nächste Bastelanleitung aus dem Netz ziehe oder nach einer dicken Jacke in Gr. 122 in unzähligen Shops suche. Grundsätzlich aber versuche ich, den späten Nachmittag voll und ganz dem Kind - gekoppelt mit notwendigen weiteren Dingen - zu widmen. Am Abend wäge ich dann vorgenanntes ab und mache letztlich alles halbwegs parallel. Meine Bilanz: Ja, es ist eine Doppelbelastung, der zumindest ich nicht zu meiner Zufriedenheit gerecht werde. Außerdem kann ich keine andere Position beurteilen. Es gibt viele Studenten, die neben dem Studium für Ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen - das ist belastend. Das habe ich auch mal versucht - begnüge mich aber nun einfach nur mit BAföG.

Wie is'n das dann mit den Studentenparties?
Tjaaha, ... Schwierig! Ich bin nicht der Typ Student, der das zweimal wöchentlich inkl. Aftershow-Party auf der Toilette braucht. Aber man feiert außerhalb des Studiums wahrscheinlich nie wieder in irgendeiner Location, in der man zumindest 30 % der Leute persönlich kennt. Nie wieder ist das Bier so günstig; die Musik so gut. Nie wieder wird man so häufig in der Woche zu einer Party gehen (können). Ich denke auch nicht, dass ich mich nach dem Studium zu kuriosen Motto-Parties hinreißen lasse. Und nie wieder werden die Tage nach einer Feier so interessant sein, an denen man die neuesten News über Musik-, Liebes- und Alkoholtrunkene austauscht. Daher versuche ich für meine Verhältnisse möglichst viele Feiern mitzunehmen, wenngleich auch beschränkt. Das heißt so viel wie: abends später losfahren, Spaß haben ohne Alkohol und bestmöglichst am Morgen nach Hause zu kommen, sodass das Kind nahtlos zur Kita gebracht werden kann. Nun bin ich keine Anfang zwanzig mehr - dementsprechend ist der Tag dann für mich auch gelaufen. Auch wenn es schöner ginge: Ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit habe, die ein oder andere Party mitzunehmen. Meine Bilanz: Mit Kompromissbereitschaft kann eine Muddi-Studentin auch feiern gehen.

Und finanziell haut das hin?
Na ja, das ist immer die verkehrte Frage an einen Studenten. Auch mit Kind. Aber ja: es geht. Ich kenn' es ja eh nicht anders und man passt sich seinen Möglichkeiten an. Vater Staat hilft - außerhalb vom BAföG - hinsichtlich der Kitakosten oder auch Wohngeld aus. Dieser Papier- und Antragskram ist zwar äußerst nervig, aber ich bin für diese zusätzliche Unterstützung sehr dankbar. Wenn es mal eng wird (und auch so) habe ich noch meine Oma, die mich unterstützt. Zudem gibt es die Option, zinsgünstige Studienkredite zu beanspruchen. Ich achte grundsätzlich darauf, was ich für meine Tochter kaufe. Getragene Sachen oder anderweitige Sachen, die ausgedient haben, verkaufe ich wieder. Das hält sich oft ganz gut die Waage. Abstriche macht man m. E. in Sachen Urlaub. Ich will mich zwar nicht beklagen, hätte aber schon große Lust auf Flugreisen und/oder Rucksacktouren. Das funktioniert in meinen Vorstellungen einerseits nicht mit Kind und andererseits fallen dann Kosten für quasi zwei Personen an. Schwer realisierbar. Ebenso Auslandssemester oder Sprachreisen. Meine Bilanz: Ja, es geht. Sofern man die Unterstützung nutzt, die man erhalten kann und sich anpasst.

Was is' das Schönste am Studium mit Kind?
Ganz klar: Die Ferien. Kostbarste Zeit ist das für Mutter & Kind. Und die Flexibilität. Bei krankem Kind muss ich niemandem Rechenschaft ablegen - nur ich muss mich dann organisieren.

Und das Blödeste?
Der fixierte Alltag, der sich nicht an gewollte studentische Gewohnheiten anpassen lässt. Und die Abwägung über den Zeiteinsatz - ich schaffe einfach nicht das Pensum, was manch' anderer schafft. Auch blöd: gedanklich nie Feierabend haben. Und viel blöder: weder dem Kind noch dem Studium dem eigenen Anspruch nach total gerecht zu werden - dieser ständige Kompromiss.

Fazit:
Natürlich sind hier und da Vorteile vorhanden, die ich auch nicht wegdenken mag. Grundsätzlich aber würde ich die Kopplung von Studium und Kind nicht unbedingt empfehlen. Da sollte man sich auch nicht an Sätze wie "Na wenn du dann in den Beruf startest, ist das Kind schon aus dem Gröbsten raus" klammern. Viel mehr Sinn macht es in meinen Augen, bereits die erste Sprosse der Karriereleiter erklommen zu haben, um dann mit höherer Wahrscheinlichkeit in den Genuss der work-life-balance mit Kind in klar abgegrenzter Weise zu kommen. Ich bin selbst gespannt, ob ich meine Ansicht nach Eintritt in das Berufsleben mit Kind revidiere. Wir lesen uns an dieser Stelle in zwei Jahren wieder.






Sonntag, 19. Oktober 2014

Tante Lotti

Im alten Ostpreußen hatte meine Oma schon die eine Freundin: Lotti. Sie gingen zusammen zur Schule, verloren sich im Krieg aus den Augen und fanden sich Jahre später wieder. Sie hielten immer engen Kontakt, sahen sich trotz 300 km Entfernung oft. Bis heute.


Für mich war die Freundin meiner Oma schon immer "Tante Lotti" - eine wunderbar niedliche Frau mit übergroßer Brille in hellbrauner Fassung, einem Hang zu Strickpullovern und Perlenketten und hellbraunem gelockten Haar. Eine Frau, die hellauf begeistert war, was die Supermärkte so zu bieten haben. In ihrem Dorf gab es bis vor kurzer Zeit lediglich eine Art Tante-Emma-Laden, weshalb sie viele Produkte also gar nicht kannte. Ihr Mann verstarb früh, sie selbst ist Mutter von drei Kindern und lebt in einem großen Einfamilienhaus mit eigenem Garten. Sie brachte immer selbst gemachte Marmelade, eingewecktes Kompott oder frisches Obst und Gemüse aus dem Garten mit. Sie spielt zu gern Halma, singt inbrünstig Heimatlieder und summt viertelstündlich Melodien, spielt leidenschaftlich Akkordeon, ist vielseitig in Vereinen aktiv und hält es für die beste Medizin, im Fall der Fälle auf nüchteren Magen einen klaren Schnaps zu trinken. Jedes zweite Wort von ihr ist 'herrlich' oder aber eine Abwandlung davon. Ich bin mir sicher, nie einen positiveren Menschen getroffen zu haben. Auch wenn sie etwas hinterweltlerisch lebt, so ist ihre Lebensfreude endlos ansteckend. Und damit übertreibe ich wahrlich nicht.


Vor knapp einem Jahr wurde bei ihr Brustkrebs festgestellt. Sie habe das schon lange bemerkt, wollte sich aber keiner Behandlung unterziehen. Ihre Reaktion nach der Diagnose hat mir imponiert - und mich zugleich beängstigt: Das wird schon wieder gut werden. Und wenn nicht... - sie hatte ein tolles Leben. Es wird schon alles richtig so sein.


Sie unterzog sich trotzdem der notwendigen Chemotherapie - und ließ sich nicht kleinkriegen. Es ging ihr gut. Sie freute sich so sehr auf das Ende der Behandlung, sodass sie wieder ihren Garten bewirtschaften konnte. Das ging nur kurze Zeit gut - eine Erkrankung des Magens erforderte eine OP. Seitdem ist diese unglaublich starke Frau in ihrer Lebensfreude getrübt. Körperlich ist sie so geschwächt, dass sie nun aus freien Stücken auf einen Platz im Altersheim wartet. Nunmehr kämpft sie auch mit Wasser in den Beinen. Und ob der Krebs komplett weg ist, weiß irgendwie auch niemand.


Über's Telefon versagt die Kraft ihrer Worte. Sie kann nichts mehr essen. Es schmeckt nichts mehr. Und sie hat überhaupt keine Lust mehr. Sie kann nur noch rumsitzen, hat keinen Elan.



War's das jetzt? Sagt man das nicht immer, dass es mit dieser Einstellung dann bald zuende geht? Meine Oma jedenfalls ist derzeit zutiefst betrübt. Sie wollten sich doch auch nochmal sehen. Ich hoffe, dass hier die Geschichte zu 'Tante Lotti' nicht zuende geht. Und ich weiß auch nicht, was gut ist, aber ich wünsche der mittlerweile 87-jährigen Lotti, dass es ihr gut geht - wie auch immer das ist. Und beiden wünsche ich, dass sie sich nochmal sehen - was allerdings bedeutet, dass ich meine Oma hinfahre. Aber ich, ich möchte die Tante Lotti in lebensfroher Erinnerung behalten. Als Vorbild.


Dienstag, 23. September 2014

Im Himmel.

Kinder sind so wissbegierig. Das ist oft für die Eltern selbst ganz spannend - wenn man dann doch mal dies oder jenes googlen muss - aber teilweise auch recht schwierig. Denn es gibt Themen, da habe ich so meine Schwierigkeiten. Dazu gehört auch das Thema Tod, was meine Tochter seit einiger Zeit und glücklicherweise ohne aktuellen Anlass jedoch sehr interessiert. Da tönen immer wieder die gleichen Fragen:


"Wo im Himmel ist denn mein Uropa?"

"Was macht der denn da?"

"Kann man da auch aufstehen? Fällt man da nicht runter?"

"Und man kann da auch gehen? Und spielen?"

"Wie kommt man denn in den Himmel? Und wie geht das?"

"Kommen nur Omas und Opas in den Himmel?"

"Aber warum gibt es einen Friedhof?"

"Ich mag gar nicht. Dann muss ich ja all' meine Kuscheltiere verlassen."





Ich muss gestehen: Ich weiß auf diese Fragen/Aussagen keine gute Antwort und versuche, sie bestmöglichst zu umgehen. Aber das führt ja zu nichts: sie fragt erneut. Aber was genau erzähle ich ihr da am Besten? Die Wahrheit? Auf kindliche und leicht geschönte Art? Oder bleibt man bei der Himmels-Geschichte, wo es allen richtig gut geht? Wobei ja auch tatsächlich niemand weiß, was "danach" passiert. Und überhaupt: Muss ich ihr das jetzt schon so richtig begreiflich machen? Dr. Google wirft mir dazu einige Buchempfehlungen aus. Hat da jemand von euch vielleicht den ein oder anderen 'erprobten' Buchtipp?



Mittwoch, 17. September 2014

Ein Land. Eine Insel. Große Liebe. Rømø!

Heute möchte ich mal mitnehmen: in den Urlaub. Genauer gesagt: auf die Insel Rømø.

Diese Wattenmeerinsel in der Nordsee beeindruckt bereits bei der Ankunft über den Rømø-Damm. Etwa 10 km führt der Weg quer über's Wattenmeer. Die Hauptattraktion der Insel aber ist (für mich) eindeutig die Breite der Strände. Nirgends in Europa gibt es Strände gleicher Breite. Bis zu 6 km ist der Strannd (sog. Sønderstrand) breit, etwas weniger in dem Touristenort Lakolk. Alle Strände sind mit dem Auto uneingeschränkt befahrbar - ein Highlight, sage ich euch. Insbesondere, wenn man weit Richtung Meer fährt, fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Feiner und weicher, dennoch fester und steinfreier Sand. Kilometerweit. Hin und wieder durch Dünen durchbrochen. Ich bin immer wieder schlichtweg geflasht.

Rømø hat einiges zu bieten: In/Am Sønderstrand ist das Paradies für Strandsegler und Buggykiter (und Drifter) Zuhause. Aber sowohl dort als auch am Strand in Lakolk liegen die beliebten Strecken für Reitausflüge. Mit Drachen, Badesachen oder Gummistiefeln, Hunden und auch mit Sandspielzeug ist man an den Stränden hier immer gut aufgehoben. In Havneby (südlichster Ort der Insel) lässt es sich ein bisschen shoppen und schlendern, den Hafen begutachten und gut essen. Havneby bietet außerdem einen großen Golfplatz. In Kongsmark (weiter nördlich) ist ein "Play & Horse Park" angesiedelt, dessen Eingang ich noch nie gefunden habe (???). Lakolk (zentraler Ort der Insel) bietet eine kleine Meile zum Bummeln und Shoppen und - ganz wichtig - zum Eisessen. Dänisches Softeis ist ein Muss - es schmeckt mir nirgends besser (gern auch mit Lakritz-Guss). Außerdem mag ich das Lakritz-Kugeleis zu gern. Neben einem schönen großen Campingplatz kann man in Lakolk auch wunderbar durch die Dünen zum Strand reiten. In Juvre (nördlichster Ort der Insel) ist ein Museum angesiedelt und ein Angelteich vorzufinden  - an den ich mich bislang aber nicht getraut habe. Weiter nördlich ist nur noch der Truppenübungsplatz.



Die ersten beiden Tage unseres Urlaubs hatten wir eher herbstliches Wetter - mit viel Regen. Finde ich im Grunde nicht schlimm, aber leider ist der Sønderstrand dann auch entsprechend nass und nicht so gut befahrbar. 


Dennoch zum Pfützenspringen ideal - während man selbst im geöffneten Kofferraum sitzt und den Autofahrern bei ihren durchaus sehenswerten Fahrmanövern und Rennen zuschaut.




Das Wetter besserte sich auf sommerliche Temperaturen. Da machte es Spaß, Drachen steigen zu lassen.


Auch die Gummistiefel konnten weichen und mit nackten Füßen war die Nordsee sehr angenehm.





Die etwa 30 km entfernte Stadt Ribe (Festland) ist die älteste Stadt Dänemarks und einen Besuch wert. Für mich gehört sie zu den schönsten Dänemarks. Hier gibt es übrigens auch den "Tiger-Store", der von mir - zum Leidwesen aller - bei jedem Urlaub in Dänemark ersucht wird (gibt es mittlerweile auch in Deutschland).





Meine Tochter hat auf Rømø bereits im Frühjahr die Ponyliebe für sich entdeckt und sieht sich gern auf dem Rücken dieser schönen Tiere. Unsterblich hat sie sich dabei in "ihr" Pony Charly verliebt - ein halbes Jahr wurde von nichts anderem gesprochen. Auch dieses Mal sollte sie Charly wieder durch die Dünen zum Strand führen. Allerdings wurde er zwischenzeitlich verkauft - weshalb sie nach dem Trocknen der großen Krokodilstränen mit Kai Vorlieb nehmen musste. Kai aber war eher ein gemütlicher Zeitgenosse, der den Weg nutzte, um alle 5 Meter eine große Portion Gras zu fressen. Nunmehr ist auf Kindesseite die Ponyliebe etwas getrübt. Die kleine Ponyfarm in Lakolk ist  trotzdem wirklich empfehlenswert: Für 14 EUR darf man Pony oder Pferd für eine Stunde selbst führen bzw. reiten und bekommt vorab eine sehr freundliche Einweisung.



Auf dem Weg zum Strand hatten wir dank des gefräßigen Kai genügend Zeit, dänische Kühe genauer zu begutachten.





Ist man einmal auf Rømø, ist es ein ungeschriebenes Gesetz, einen Sonnenuntergang am Strand zu erleben. Wie die Abendsonne den ganzen Sand in goldfunkelnde Steinchen verwandelt, habe ich versucht, einzufangen. Es ist ein fantastisches Licht und eine wirklich stechende, aber wunderschöne Sonne, die sich und den Himmel langsam verfärbt. Hach ...






Sylt liegt etwa 6 km von Rømø entfernt und kann durch die Sylt-Fähre problemlos von Havneby aus erreicht werden. Die Fähre (auch für Pkw geeignet) benötigt für einen Fahrpreis von 10,20 EUR für Hin- und Rückfahrt etwa 40 Minuten bis zum Anlegen in der nördlichsten Gemeinde Deutschlands: List. Während der Fahrt sollte man sich ruhig oben ans Deck setzen, denn dann besteht die Möglichkeit, auf den Sandbänken Robben zu sehen (so erspart man sich auch die "Robbentour" von Sylt aus für 18 EUR).



List selbst ist entlang des Hafens und Strandes auf Touristen spezialisiert. Es wird zur Tradition, dass ich zunächst in der "Alten Tonnenhalle" meine bunte Tüte an Gummitierchen mische und kurz darauf ein Fischbrötchen bei "Gosch" esse. Sofern man keine Inselrundfahrt (m. E. zu teuer) oder andere touristische Aktivitäten mitmacht, bleibt nur der Aufenthalt in unmittelbarer Küstennähe. Neben vielen netten Läden gibt es dort die "Erlebniswelten Naturgewalten" - wir haben uns das bislang aber nicht angesehen. Stattdessen zog es uns zum sehr hellen Sand am Strand und damit auch zum Muschelsuchen. 


Dies hier ist übrigens der nördlichste Punkt Deutschlands.





Bei meinem letzten Urlaub auf Rømø war ich bereits den Strandseglern verfallen, konnte aber nirgends finden, wo ich das für welchen Preis machen konnte. Nun schlug meine große Stunde aber am letzten Abend: Wir sahen einige unbesetzte "Blokarts", fuhren hin und fragten an: Ich konnte sofort loslegen. Nach Anlegen der Schutzausrüstung, bestehend aus Helm, Brille und Handschuhen, bekam ich eine Einweisung in die Art und Wirkung der Winde. Ich war so aufgeregt, ich habe - glaube ich - nicht mal zugehört. Nachdem mir dann noch kurz die Technik der Blokarts erklärt wurde, konnte ich direkt auf der Übungsstrecke lossegeln. So muss sich Freiheit anfühlen. Der Wind weht um die Nase, während man schneller und schneller wird. Und letztlich an der Pylone, die zum Wenden anweist, stehenbleibt. Der erfahrene Strandsegler kam mir hinterher "gesegelt" und gab mir die richtigen Anweisungen. Dadurch, dass mittels eines Seils das Segel stets straff gehalten werden muss, ist ein ordentlicher Kraftaufwand nötig. Das habe ich vollkommen unterschätzt. Meine Hand schmerzte noch eine Weile nach meinem Freiheitsglück. Aber das war es wert - es macht unbeschreiblich viel Spaß, wenn man erstmal den Dreh raus hat. Sehr sehr empfehlenswert. Eine Stunde kostet samt Ausrüstung übrigens erschwingliche 30 EUR. 



Außerdem hatten wir am letzten Tag das Glück, das Drachenfest (in Lakolk) mitzuerleben, was immer am ersten Wochenende im September stattfindet. Ich nehme an, die vielen Drachen am Himmel hätten mit Sonnenschein noch besser gewirkt. Dennoch war dies so bereits sehr imposant und auch spannend zu sehen, was es für Drachen gibt.







Eine weitere, für mich typische dänische, Attraktion sind die Hüpfkissen auf Spielplätzen. Das macht nicht nur den Kindern Spaß!



 Unbebildert blieben hier die traditionellen Angelausflüge. Ich angle leidenschaftlich gern, besitze aber keinen Angelschein, weshalb ich in Deutschland diesem Hobby nicht fröhnen kann. In Dänemark geht das aber trotzdem an sog. Forellen-Puffs. Empfehlen kann ich den Renbæk-Fiskesø - gelegen auf dem Festland (etwa zwanzig Minuten Fahrt). Obwohl ich diesen Teich im Frühjahr noch als "langweilig" empfand, war er dieses Mal eine Goldgrube. Aber auch der Arrild-Fiskesee ist einen Besuch mit Rute und Haken wert. Dieser Teich liegt inmitten eines Ferienparks, weshalb sich hier das Angeln mit Familie bzw. Kindern erst recht lohnt - dort ist jeder beschäftigt.



Ich hoffe, euch einen kleinen Eindruck in meinen Urlaub auf der Insel vermittelt haben zu können. Wenn es euch mal nach Dänemark verschlagen sollte, so kann ich euch nur empfehlen: Besucht Rømø!