Ich traf auf eine äußerst gut gelaunte Mutter in den Räumen der Bank.
Mein Verhalten war relativ neutral. Freundlich, aber nicht überheblich.
Der Banktermin war recht schnell vorbei.
"Mutti, hast du jetzt noch ein bisschen Zeit?"
"Klar. Aber ich dachte Oma kocht uns zum Mittag noch unser Lieblingssüppchen? Kommt, wir kaufen alles ein."
Oh nein. Warum heute. Nie macht sie sowas. Nie interessiert sie sich für ihre eigene Mutter. Nie. Aber heute. Wo ich doch so viel vorhatte.
Ich war irritiert.
Wir kauften gemeinsam ein. Danach fuhr ich erstmal mit meiner Mutter alleine zu ihr nach Hause. Mir war mulmig. Und sie einfach gut drauf. Nett. Freundlich. Leicht mütterlich. So, wie sie sein kann, wenn der Stiefvater nicht in der Nähe ist.
Ich grübelte. Wie ich wohl am Besten anfange. Es dauerte ca. 60 Minuten Smalltalk, bis ich soweit war. Und ich sagte alles, auf geheimes Anraten meiner Oma beim Einkauf, sachlich und ruhig - was mich tatsächlich Kraft kostete. Ich wäre viel lieber emotional, dann aber auch sicher bösartig, gewesen.
Ich habe sämtliche Fakten genannt. Meine Gefühle. Meine Empfindungen.
Geknüpft an die Ereignisse vom Samstag, ausgeweitet auf allgemeine Störfaktoren. Alles.
Sie saß mir lediglich gegenüber. Und schwieg. Keine Erwiderung, keinerlei Resonanz, keine Antwort.
Nur im Nachgang hin und wieder eine Erklärungsversuch zur Inschutznahme ihrer Männer.
Und so schwiegen wir es dann beide tot. Ich hatte alles gesagt.
Das Süppchen bei Oma war lecker und die Atmosphäre tatsächlich auch gut. Wie lange war das her, dass wir 3 gemeinsam am Tisch saßen. Irgendwie war es schön.
Und doch fühlte ich mich unzufrieden. Unzufrieden mit dem Schweigen meiner Mutter.