Montag, 4. August 2014

roundabout.

Habe seit etwa zwei Wochen Ferien. Könnte mich freuen und glücklich schätzen. Immerhin ist dieses Jahr der Sommer gut. Und ich habe das erste Mal seit etwa 9 Monaten so richtig frei. Aber eben auch mental frei. Nix ach so wichtiges, worauf ich mich konzentrieren könnte. Da fühlt sich das Gedankenkarussel wieder angetrieben. "Ach komm, Flüsterkind, irgendwas haste. Dir tut doch irgendwas weh. Irgendein Problem finden wir schon." Haben wir. Zweifelsohne. Da darf man sich sogar eins aussuchen. Rein körperlich sind es gerade die Augen/Ohren/der Kopf. In der Prüfungsphase war ich vor Verspannung nahezu steif, hatte zweimal Flimmern in den Augen und nun verbleibt eine Andersartigkeit des Sehens mit Druckgefühl. Aber ich hab ja gelernt, nicht gleich zum Arzt zu rennen. Allerdings fühle ich mich mit ärztlicher Abklärung sicherer. Zudem hoffe und spekuliere ich drauf, dass ich mir das sowieso nur einbilde. Und das hochpushe. Mich reinkatapultiere in diesen Teufelskreis des in-sich-horchen. Es nervt einfach nur noch. Ich hätt' mich gern im Griff, würde zu gern normal mit Befindlichkeiten umgehen und nicht gleich ins Katastrophendenken geraten.

Die Psychohygiene verläuft seit einer Weile sporadisch. Momentan hätt' ich sie aber gern regelmäßiger. Zuletzt sind wir auf den Nenner gekommen, eine Traumatherapie zu beginnen bzw. Ansätze dessen anzuwenden. Meine Panik und mein Hypochonder-/Nosophobiker-/Wasauchimmer-Dasein sei gewissermaßen auf das Geburtserlebnis zurückzuführen. Finde ich nicht so abwegig. Ich habe auch nach fünf Jahren nicht vergessen, wie schlimm sich das anfühlte. Damit meine ich nicht nur die Schmerzen, sondern dieses Ausgeliefertsein. Nichts tun zu können. Es einfach ertragen. Grauselig.

Zu meinen Eltern könnte ich abermals Romane schreiben. Seit meinem BA haben wir sehr selten Kontakt - nachzulesen hier. Mich stört das irgendwie kaum, zumindest dann, wenn ich nichts höre und sehe. Gesehen haben wir uns aber anlässlich des Geburtstages vom (Stief-)Vater. Da war mir ja schon drei Tage vorher schlecht. Auch, weil wir ein recht kleiner Kreis waren und u. a. auch die Kackoma (=Stiefoma) zugegen war. Da zieh' ich mir rein automatisch den "Achjaichbinjagenausoverlogenwieihrundzeigeheutewietollichbin"-Schuh an. Verhaltensmuster und so. Meine Mutter und ich verfielen kurzzeitig in eine Art Gespräch, das mit einem Vorwurf begann: "Na du meldest dich ja auch nicht mehr." "Nö, du weißt ja auch warum." "Warum denn?" Böser Blick meinerseits. "Ich werd' euch doch nicht auf die Nerven gehen mit meinen Anrufen." "Genau, deswegen hab' ich ja so oft um Interesse deinerseits gebettelt, weil du mir letztlich damit auf die Nerven gehst. Kann hier ruhig jeder wissen, dass du dich nicht für uns interessiert - aber das interessiert hier ja auch niemanden." Spätestens ab diesem Zeitpunkt war ich das Feindbild des Abends. Das verstärkte sich aber sicherlich, nachdem ich u. a. meinen (Stief-)Vater als bescheuert betitelte. Meine Tochter hat große Angst vor handtellergroßen Krabbelkäfern, so wie jener, um den sie dort einen Bogen machte. Wenn ein erwachsener Mann einem offensichtlich ängstlichem Kleinkind mit den Rufen "Schnell, er kommt hinterher. Schnell, lauf!" hinterherrennt, darf ich an der geistigen Fassung eines Solchen zweifeln. Zwei Minuten später saß ich mit weinendem Kind im Auto und war auf dem Heimweg. Diese Menschen sind unmöglich.

Habe heute meiner Oma (84) mein altes Netbook übergeben und ihr eine Kurzeinweisung gegeben. Sie wolle sich beschäftigen. Schreibmaschine konnte sie schon immer gut schreiben und außerdem ist dieses Internet doch so toll. Niedlich. Und ich bin sicher, sie hat den Dreh bald raus.
Seitdem sie ohnmächtig im Bad zusammenbrach und u. a. ein blaues Auge davon getragen hat, schaut meine Mutter recht regelmäßig bei ihr vorbei - so ca. einmal in zwei Wochen. Wundersam. Aber auch dabei sorgt sie für einen lebendigen Blutdruck meiner Oma. So erfuhr ich heute, dass meine Mutter von meiner Oma und meinem Großonkel mehr oder minder direkt 'verlangte', etwaiges Vermögen bereits jetzt an sie i. S. d.  Schenkung zu übergeben, um damit letztlich auch Steuern sparen zu können. Zudem würde dieses Vermögen ohnehin nicht von den potentiellen Erblassern benötigt. Außerdem solle meine Oma bedenken, dass das Erbe für eigene Kinder gedacht ist - und eben nicht für Enkelkinder. Sie würde auch mit meiner Oma und meinem Großonkel den Weg zum Notar antreten, denn ein handschriftliches Testament ohne Beurkundung sei ohnehin nicht wirksam. Nun, diese Äußerungen sind in rechtlicher Hinsicht ja von mehr als nur Dummheit geprägt. Viel schlimmer ist aber der Sinn & Zweck dieses Kasperletheaters. Ich kann nicht verstehen, wie jemand der eigenen Familie gegenüber so kriminell agieren kann? Diese Frau treibt mich in den Wahnsinn. Das war nicht das erste Mal. Bereits vor einiger Zeit warf sie meiner Oma vor, dass der Betrag, den sie mir zu meinem Auto dazu gegeben hat, von meinem Erbe abzuziehen und auf das von meiner Mutter und meinem Bruder draufzuschlagen sei. Es ist mir unbegreiflich, welche Gehirnwindung da falsch gepolt ist. Aber Geld war ja schon immer wichtiger als eigen Fleisch & Blut. Sieben Jahre, in denen ich bei meiner Oma lebte, hat sie sich das Kindergeld eingehamstert und uns lediglich etwa 80 EUR überwiesen.

Ich weiß manchmal gar nicht wohin mit meiner Ohnmacht, Wut, Traurigkeit, Resignation.


Kommentare:

  1. Ich bin nicht so eingelesen hier, aber wäre es denn nicht besser für Dich, wenn Du den Kontakt komplett abbrichst?
    LG, Holger

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    1. Hallo Holger!
      (Sry - Blogger wollte mir die Kommentare nicht freischalten!?)
      Das ist ein Rat, den mir quasi alle geben. Ich vermute auch, dass es das Beste wäre. Aber noch kann ich das nicht.
      LG

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  2. Ich weiß manchmal gar nicht wohin mit meiner Ohnmacht, Wut, Traurigkeit, Resignation.

    Liebe Flüsterkind,

    das sind ganz schön heftige Gefühle, die Du da beschreibst und dass Du nicht weisst, wohin damit, kann ich gut nachvollziehen. Eine Traumatherapie wäre da wohl auch passend, möglicherweise würde auch eine Art Familienstellen helfen um den alten "Dreck" an Emotionen mal rauszulassen? Zumindest ansatzweise?

    Ansonsten kann ich Dir nur starke Nerven wünschen und dass es Dir auch mit Deinen Symptomen bald wieder gut geht. Als ich noch Kontakt zu meiner "Familie" hatte, hatte ich täglich auch sehr starke dieser Symptome, hat sich erst gebessert,nachdem ich den Abstand zu diesen Menschen gefunden hatte. Aber noch heute, wenn ich sie nur zufällig irgendwo treffe, geht es mir gleich wieder schlecht. Es ist traurig, wenn die eigene Familie einem so eher schadet als alles andere. Dass Du mit Deiner Tochter weggefahren bist, finde ich stark und mutig von Dir. Du bist also gar nicht so ohmächtig, wie es sich anfühlt.

    Liebe Grüsse,
    Clara

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    1. Liebe Clara,
      ja - stimmt. So ohnmächtig war ich gar nicht. Aber das war ja nur situationsbezogen. Hinsichtlich der Gesamtsituation, also den Gefühlen und Gedanken, die dann bleiben, fühle ich mich ohnmächtig. Klar, ich könnte den Kontakt abbrechen und bräuchte nicht mehr "jammern". Das sagt sich aber so leicht. Und ohnehin habe ich leider noch den Impuls in mir, nicht alles hinzuwerfen und für den Familienfrieden zu kämpfen. Trotzdem weiß ich, dass das sinnlos ist. Das ist so abstrus.

      Eine Familienaufstellung habe ich bereits gemacht. Das war sehr aufschlussreich und hat mir auch geholfen. Das war allerdings nur zweimal "kurz", vielleicht sollte ich einmal "lang" noch anfügen.

      Es freut mich aber, dass es dir mit dem Kontaktabbruch symptomatisch besser ging. Aber wie du schon schreibst: Unbegreiflich, dass die eigene Familie so schaden kann.

      Alles Liebe für dich!

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  3. Oh Mann...was soll man dazu noch sagen?! Vor lauter Unverständnis fehlen mir grad die Worte...

    Da kannst du wirklich nur sehen, dass du so wenig Kontakt wie möglich hast. Das sind deine Nerven die hier bis aufs Letzte strapaziert werden. Unglaublich...
    Das Schlimme ist aber, deine Mutter lebt sehr gut, so wie sie ist in ihrer Art. Du machst dir Gedanken, dass sich das Karussel wieder dreht und das ist nicht gut für dich und für dein Mädchen. Ich sage immer Menschen kann man nicht ändern. Sie müssen es selbst wollen, aber jemand, der denkt er weiss alles, hat in allem Recht und kann sich alles erlauben, ( und ich nehme stark an, dass deine Mutter so ein Typ ist) den kann man nicht ändern. Weil der Mensch sieht ja nicht das er falsch liegt und andere damit sogar verletzt. Du kannst dich nur selbst soweit ändern, dass du das alles nicht mehr so an dich heranlässt. Alles Scheissegal!!! Damit lebt es sich wesentlich besser glaub mir! :) Das es nicht einfach ist, dass ist klar. Hat aber auch keiner gesagt! Aber ich denke das weisst du... :)

    Ich wünsche dir alles alles Liebe und du schaffst das!!!!

    Lieben Gruß

    Kerstin

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    1. Danke, liebe Kerstin, für deine lieben Worte. Du hast hinsichtlich der Einschätzung meiner Mutter vollkommen recht. Sie macht nichts falsch, sie ist so, sie bleibt so. Und ich klammer mich an das mikrokleine Fünckchen Hoffnung, es gäbe doch eine Möglichkeit, sie herzseitig zu lenken. Da der Kontakt zu ihr derzeit so eingeschränkt ist, wie quasi nie (bis auf die totale Funkstille), fühle ich mich recht gut. Aber man hört ja doch hier und da mal was, was mein Blut pulsieren lässt.

      Warum ich denke, einen Kontaktabbruch noch nicht zu schaffen, werde ich wohl mal separat schreiben. Dann kann ich mir über das warum auch nochmal klar werden.

      Sei lieb gegrüßt! <3

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Ich freue mich über jedes Wort.